Verstärkung: ?
Ausgangsamplitude Vout, V: ?
Dieser Rechner für den Verstärkungsfaktor eines Operationsverstärkers zeigt Schritt für Schritt wie man die benötigte Rückkopplung auswählt, die Ausgangsamplitude abschätzt und typische Fehler vermeidet. Die Anleitung ist praxisorientiert, erklärt die Formeln verständlich und liefert konkrete Beispiele sowie große Referenztabellen zum sofortigen Nachschlagen.
Warum ein Verstärkungsrechner wichtig ist
Ein kompakter Rechner spart Zeit bei der Schaltungsdimensionierung. Ob Filter, Messverstärker oder Signalaufbereitung, überall entscheidet die genaue Abstimmung von Rf und Rin über Signalqualität und Stabilität. Ohne Werkzeug kommt es schnell zu Überschwingern, Sättigung oder zu schlechter Bandbreite. Ein zuverlässiger Ablauf reicht vom einfachen Gain Test bis zur Abschätzung der geschlossenen Bandbreite und der maximalen Ausgangsamplitude.
Wesentliche Formeln im Überblick
Nicht invertierende Beschaltung, Verstärkung gleich 1 plus Rf durch Rin. Invertierende Beschaltung, Verstärkung gleich minus Rf durch Rin. Differenzverstärker mit symmetrischer Beschaltung, Verstärkung gleich Rf durch Rin. Ausgangsspannung Vout gleich Verstärkung mal Eingangsspannung Vin.
✍ Wichtige Zusatzformel für Bandbreite, die oft zur Abschätzung dient. Geschlossene Bandbreite BW_cl gleich GBW durch Verstärkung. GBW steht für Gain Bandwidth Produkt des eingesetzten Operationsverstärkers. Diese Relation hilft abzuschätzen ob gewünschte Verstärkung noch innerhalb des nutzbaren Frequenzbereichs liegt.
Praxisbeispiel 1, nicht invertierende Beschaltung
Gegeben Rf gleich 75 kiloohm, Rin gleich 15 kiloohm, Vin gleich 2 Volt. Schritt 1, Quotient Rf durch Rin gleich 75 kiloohm geteilt durch 15 kiloohm gleich 5. Schritt 2, Verstärkung gleich 1 plus Quotient gleich 1 plus 5 gleich 6. Schritt 3, Ausgangsspannung Vout gleich Verstärkung mal Vin gleich 6 mal 2 Volt gleich 12 Volt. Ergebnis, der Verstärker muss mit Versorgungsspannungen arbeiten die den Ausgang von 12 Volt zulassen, ansonsten erfolgt Sättigung.

Praxisbeispiel 2, invertierende Beschaltung
Gegeben Rf gleich 10 kiloohm, Rin gleich 2 kiloohm, Vin gleich 0.5 Volt. Schritt 1, Quotient Rf durch Rin gleich 10 kiloohm geteilt durch 2 kiloohm gleich 5. Schritt 2, Verstärkung gleich minus Quotient gleich minus 5. Schritt 3, Ausgangsspannung Vout gleich Verstärkung mal Vin gleich minus 5 mal 0.5 Volt gleich minus 2.5 Volt. Ergebnis zeigt polarität und Amplitude klar.

Praxisbeispiel 3, differenzielle Beschaltung
Gegeben Rf gleich 20 kiloohm, Rin gleich 5 kiloohm, differentielle Eingangsspannung Vin gleich 0.8 Volt. Schritt 1, Quotient Rf durch Rin gleich 20 kiloohm geteilt durch 5 kiloohm gleich 4. Schritt 2, Verstärkung gleich Quotient gleich 4. Schritt 3, Ausgangsspannung Vout gleich Verstärkung mal Vin gleich 4 mal 0.8 Volt gleich 3.2 Volt. Ergebnis, der Differenzverstärker liefert ein sauberes Ausgangssignal von 3.2 Volt. Versorgung und Ausgangsbereich müssen so gewählt werden, dass dieser Wert ohne Begrenzung erreichbar bleibt.

Angaben zur Ausgangsamplitude und Versorgung
Bei realen Operationsverstärkern ist die erreichbare Ausgangsamplitude begrenzt. Rail to rail Typen kommen nahe an die Versorgung heran. Klassische Typen benötigen Headroom von einigen hundert Millivolt bis zu mehreren Volt. Vor der Dimensionierung prüfen welche Versorgung zur Verfügung steht. Ein Verstärker der 12 Volt Ausgang verlangt, muss mit mindestens 13 Volt bis 15 Volt Versorgung betrieben werden um Headroom zu gewährleisten.
Große Referenztabelle A, Verhältnis Rf zu Rin und resultierender Gain
| Rf geteilt durch Rin | Nicht invertierend Gain | Invertierend Gain |
|---|---|---|
| 1 | 2 | -1 |
| 2 | 3 | -2 |
| 3 | 4 | -3 |
| 4 | 5 | -4 |
| 5 | 6 | -5 |
| 9 | 10 | -9 |
| 19 | 20 | -19 |
| 49 | 50 | -49 |
| 99 | 100 | -99 |
| 199 | 200 | -199 |
Große Referenztabelle B, typische Op Amp Eigenschaften
| Typ | GBW in MHz | Slew Rate in V mikrosecond | Ausgangsreichweite | Einsatzgebiet |
|---|---|---|---|---|
| Allgemein Zweck | 1 bis 10 | 0.5 bis 10 | Headroom 1 bis 3 V | Signalaufbereitung, Filter |
| Präzision | 0.1 bis 1 | 0.1 bis 1 | sehr stabil, geringer Drift | Niedrigfrequente Messungen |
| HF Spezial | 50 bis 1000 | 200 bis 1000 | Rail to rail möglich | HF Vorverstärker |
| Low Noise | 1 bis 100 | 1 bis 50 | Gute Ausgangsstabilität | Audio und Sensorik |
| Rail to Rail | 0.5 bis 200 | 0.5 bis 200 | Nahe Versorgung | Batteriebetriebene Geräte |
Worauf beim Widerstandswahl achten
Wertbereich, Leistung und Rauschen entscheiden über die Wahl. Kleine Widerstände reduzieren Rauschen und Offsetfehler, erhöhen aber den Strom. Große Widerstände sparen Strom, erhöhen jedoch das Rauschen und die Empfindlichkeit gegen Eingangsströme. Für präzise Messungen sind Metallfilmwiderstände mit 0.1 Prozent oder 1 Prozent Toleranz empfehlenswert. Achte bei hohen Frequenzen auf Parallele Kapazitäten und Mantelinduktivitäten der Bauteile.
Bandbreite und Stabilität
Zunehmende geschlossene Verstärkung reduziert die nutzbare Bandbreite. Nutze die Relation BW_cl gleich GBW durch Gain um abzuschätzen ob das gewünschte Signal noch unverzerrt verstärkt wird. Bei großen Gains prüfe Phase und Phasenreserve. Für Unity gain stabile Op Amps ist keine zusätzliche Kompensation erforderlich. Für andere Typen kann eine kleine Kompensationskondensator in der Rückkopplung oder am Eingang nötig sein um Überschwingen zu verhindern.
Messen in der Praxis
Für die Messung verwende Funktionsgenerator, Oszilloskop und Lastwiderstand. Beginne mit geringen Eingangsamplituden und steigere, um Sättigung zu verhindern. Prüfe Gain bei einer Frequenz, die deutlich unter der erwarteten Grenzfrequenz liegt. Miss anschliessend das Frequenzverhalten bis zur niedrigen Verstärkung um das Verhalten des geschlossenen Kreises zu verifizieren.
📊 Ein Op Amp hat GBW gleich 10 MegaHz. Wenn die gewünschte Verstärkung 20 ist, dann ist die geschlossene Bandbreite BW_cl gleich 10 MegaHz geteilt durch 20 gleich 0.5 MegaHz. Das bedeutet, oberhalb von 500 KiloHz fällt die Verstärkung deutlich ab. Für Anwendungen bei mehreren MegaHz ist dieser Op Amp ungeeignet.
Praxisregeln und Tipps
- Immer Werte in SI verwenden vor der Berechnung
- Metallfilmwiderstände minimieren Rauschen
- Bei grossem Gain die Versorgung und Headroom überprüfen
- Bei Unsicherheit Simulation mit SPICE durchführen
- Saubere Masseführung reduziert Einstreuungen
Fehlerquellen und Troubleshooting
Häufige Ursachen für Abweichungen sind Toleranzen, Temperaturdrift und parasitäre Elemente in Leitungen. Offsetströme führen bei hohen Widerstandswerten zu Spannungsfehlern. Bei hohen Frequenzen begrenzen kapazitive Kopplungen die Leistung. Wenn der Ausgang clippt, reduzieren die Eingangsamplitude oder wähle eine höhere Versorgung.
Formeln noch einmal kompakt
| Beschaltung | Verstärkung | Ausgang |
|---|---|---|
| Nicht invertierend | Gain gleich 1 plus Rf durch Rin | Vout gleich Gain mal Vin |
| Invertierend | Gain gleich minus Rf durch Rin | Vout gleich Gain mal Vin |
| Differenziell | Gain gleich Rf durch Rin bei symmetrischer Beschaltung | Vout gleich Gain mal Vin differenziell |
Abschliessendes Fazit
Ein Rechner für den Verstärkungsfaktor eines Operationsverstärkers beschleunigt die Entwicklung und reduziert Fehlerquellen bei der Dimensionierung. Mit den gezeigten Formeln, Beispielrechnungen und Tabellen können Entwickler schnell entscheiden welche Widerstandswerte sinnvoll sind und ob der eingesetzte Op Amp die gewünschte Bandbreite liefert. Messen, simulation und saubere Layouttechnik runden die praktische Arbeit ab.
Weiterführende Literatur
- Rolf F. Graf, Analoge Schaltungstechnik, Grundlagen und Anwendungen
- Hans-Joachim Wüst, Operationsverstärker in der Praxis, Schaltungen und Tipps
- Peter Groot, Elektronik kompakt, Verstärker und Filter
- Werner Göbel, Messtechnik für Ingenieure, Grundlagen und Praxis
- Martin Keller, Hochfrequenz und Verstärkerdesign, Bandbreite und Stabilität
- Thomas Schröder, Präzisionsmessverstärker, Auswahl und Kalibrierung
- Andreas Meier, Bauelemente und Schaltungsanalyse, Übersicht und Tabellen








