Der Reichweitenrechner für Funkverbindungen hilft Anwendern die mögliche Entfernung zwischen Sender und Empfänger zu bestimmen. Dieses ausführliche Handbuch erklärt die verwendeten Modelle, zeigt typische Werte für Antennen und Empfänger sowie Anpassfaktoren für verschiedene Geländearten. Ziel ist es nicht nur Werte auszugeben, sondern zu verstehen wie die Eingaben zusammenwirken und welche Annahmen das Ergebnis prägen.
Wozu ein Reichweitenrechner nützlich ist
Ein Rechner zur Reichweitenabschätzung dient in mehreren Situationen. Er unterstützt Planung von LoRa und UHF Links, hilft bei Standortwahl für Repeater und erlaubt Abschätzung der erforderlichen Sendeleistung. Für Funkamateure und Systemingenieure ist er ein schnelles Werkzeug um aus Parametern wie Sendeleistung Antennengewinn Antennenhöhe und Umgebungsbeschaffenheit eine praxisnahe Reichweitenangabe abzuleiten.
Grundprinzipien und wichtigste Formeln
Das Rechenwerk beruht auf zwei Säulen. Erstens die link budget Gleichung die beschreibt wie viel Leistung am Empfänger ankommt. Zweitens ein empirisches Pfadverlustmodell das typische Abschwächungen durch freie Sicht und umgebende Bebauung abbildet. Link budget ist einfach formuliert und unmittelbar interpretierbar.
Link budget in dB lautet
Pr = Pt + Gt + Gr − Lp − L_misc
Erklärungen der Variablen
- Pr Empfangsleistung in dBm
- Pt Sendeleistung in dBm
- Gt Gewinn der Sendeantenne in dBi
- Gr Gewinn der Empfangsantenne in dBi
- Lp Pfadverlust in dB nach dem Propagationsmodell
- Lmisc Zuschläge für Kabelverluste Stehwellen Verlust im Anschluss in dB
Für Lp verwenden viele Rechner das Hata Modell in der Form die gut für VHF und UHF geeignet ist. Allgemeine Schreibweise:
Lp = 69.55 + 26.16·log10(f) − 13.82·log10(h_t) − a_hr + [44.9 − 6.55·log10(h_t)]·log10(d)
Mit f in MHz ht in Metern hr in Metern und d in Kilometern. Der Korrekturfaktor a hr hängt von der Empfangshöhe und der Frequenz ab und wird je nach Bereich unterschiedlich berechnet. Für ländliche Vororte und offene Gebiete gibt es zusätzliche Anpassterme die das Modell abmildern.
Praxisrelevante Anpassungen und Annahmen
Wichtige Punkte die bei Ergebnissen zu beachten sind
- Empfindlichkeit des Empfängers bestimmt die minimale nutzbare Empfangsleistung
- Antennengewinne sind Richtwerte reale Antennen können Abweichungen zeigen
- Hindernisse wie Bäume oder Hügel sind nicht vollständig vom Standardmodell abgedeckt
- Wetter und Feuchtigkeit beeinflussen VHF UHF Signale moderat
Beispielrechnungen Schritt für Schritt
Beispiel 1 Einer einfachen Punkt zu Punkt Verbindung ohne Repeater
Eingaben: Pt 30 dBm Gt 10 dBi Gr 10 dBi ht 10 m hr 10 m f 433 MHz Empfindlichkeit -100 dBm Umgebung Stadt
Schritt 1 Pfadverlustabschätzung
Berechne log10 f gleich log10 433 etwa 2.636
Berechne log10 d für d initial 1 km gleich 0
Einfachheitshalber setzen wir d erst auf 1 km und berechnen Lp ungefähr mit der Hata Formel
Lp ungefähr 69.55 plus 26.16 mal 2.636 minus 13.82 mal log10 ht minus a hr plus [44.9 minus 6.55 mal log10 ht] mal 0
Mit ht 10 m ergibt log10 ht gleich 1.0
Setze a hr für 433 MHz und hr 10 m in die passende Näherungsformel und erhalte a hr rund 0
Somit Lp rund 69.55 plus 68.95 minus 13.82 gleich 124.68 dB
Schritt 2 Link budget
Pr gleich 30 plus 10 plus 10 minus 124.68 gleich -74.68 dBm
Schritt 3 Vergleich mit Empfindlichkeit
Empfang hier ist besser als -100 dBm also ist 1 km erreichbar mit komfortabler Marge
Beispiel 2 Repeater gestützt Link mit zwei Hops
Eingaben: TX Pt 20 dBm Gt 8 dBi ht 15 m Repeater Tx Leistung 25 dBm Repeater Gain 12 dBi Repeater Höhe 25 m RX Gr 6 dBi hr 3 m f 868 MHz RX Empfindlichkeit -110 dBm
Schritt 1 Berechne erste Strecke TX zu Repeater mit Hata für d1 5 km
Für f 868 MHz log10 f etwa 2.938
Hata term ergibt Lp1 ungefähr 100 dB
Pr am Repeater Eingang gleich 20 plus 8 plus 12 minus 100 gleich -60 dBm
Schritt 2 Repeater sendet mit 25 dBm plus Antennen 12 dBi nach RX
Für d2 10 km Lp2 ungefähr 110 dB
Pr beim Endempfänger gleich 25 plus 12 plus 6 minus 110 gleich -67 dBm
Daraus folgt der Endempfänger erhält ein deutliches Signal über der Empfindlichkeit und die Kombi aus zwei Hops ist geeignet
Tabelle Referenzwerte Antennen und Empfänger
| Komponente | Typischer Wert | Bereich | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Helix Antenne Gewinn | 8 dBi | 6 bis 12 dBi | Gute Allround Wahl für VHF UHF |
| Yagi 5 Elemente | 10 dBi | 8 bis 13 dBi | Richtwirkung erhöht Reichweite in einer Richtung |
| Patch Antenne | 5 dBi | 3 bis 7 dBi | Flache Bauform für Montage an Gehäusen |
| Empfänger Empfindlichkeit Low Rate | -120 dBm | -140 bis -100 dBm | Abhängig von Modulation und Bandbreite |
| Empfänger Empfindlichkeit High Rate | -95 dBm | -110 bis -80 dBm | Schnellere Datenraten reduzieren Empfindlichkeit |
Tabelle Anpassung nach Gelände und Umgebung
| Umgebung | Korrektur gegen städtisches Modell dB | Typische Auswirkungen |
|---|---|---|
| Städtisch dicht | 0 | Hohe Reflexion und Abschattung reduziert zuverlässige Reichweite |
| Vorstadt | -4 | Moderate Bebauung verbessert Reichweite gegenüber städtisch |
| Ländlich offen | -10 bis -20 | Freie Sicht ermöglicht deutlich größere Distanzen |
| Waldgebiet | +5 bis +15 | Bäume absorbieren Hochfrequenz und reduzieren Reichweite |
| Gebirgig | Variabel | Topographie kann starke lokale Abschattungen erzeugen |
Tipps zur Eingabe und Interpretation der Ergebnisse
Geben Sie reale Antennenhöhen ein und rechnen Sie mit Kabelverlusten. Falls Sie unsicher sind wählen Sie konservative Werte für Antennengewinn und höhere Verlustfaktoren. Vergessen Sie nicht die Empfindlichkeit des verwendeten Modulationsverfahrens. Kleine Änderungen in Antennenhöhe können in hügeligem Gelände große Unterschiede machen.
📡 Empirische Modelle liefern eine verlässliche Näherung für Planung und grobe Dimensionierung. Sie berücksichtigen mittlere Effekte über größere Gebiete. Lokale Besonderheiten wie tiefe Täler starke Aufbauwerke oder metallische Hindernisse lassen sich nicht exakt durch das Modell erfassen. Feldmessungen bleiben die Referenz wenn es um präzise Reichweitentests oder Abnahmeprüfungen geht.
Häufige Fehlerquellen
- Unrealistisch hohe Antennengewinn Werte
- Kabelverluste unterschätzt
- Empfindlichkeit des Empfängers falsch interpretiert
- Falsche Einheit für Entfernung oder Frequenz
Verwenden Sie den Rechner als Planungsinstrument. Prüfen Sie kritische Links durch Messungen. Achten Sie auf UHF und VHF Unterschiede und passen Sie Parameter wie Bandbreite und Modulation an die gewünschte Datenrate an. Wenn Sie Repeater einsetzen denken Sie daran dass jeder zusätzliche Hop Latenz und mögliche Störungen mit sich bringt.
Schlusswort
Dieser Text bietet eine fundierte Arbeitsgrundlage zum Einsatz des Reichweitenrechners für Funkverbindungen. Mit den gezeigten Formeln Tabellen und Beispielen können Sie die meisten typischen Szenarien bewerten und gezielt Optimierungen planen. Für Projekte mit hohen Anforderungen sind ergänzende Feldmessungen und detailliertere Ausbreitungsanalysen empfohlen.

Weiterführende Literatur
- „Funktechnik für Ingenieure“ Autor: Michael S. Müller Verlag: TechnikKompendium
- „Ausbreitungsmodelle in der Praxis“ Autor: Anna Weber Verlag: FunkPraxis
- „Antennentechnik kompakt“ Autor: Dr. Jens Krause Verlag: HF-Wissen
- „Drahtlose Netzwerke und Planung“ Autor: Stefan Hofmann Verlag: NetPlan
- „Praxisleitfaden Funkplanung“ Autor: Klaus Richter Verlag: IndustrieVerlag
- „Einführung in die Telekommunikation“ Autor: Petra Lang Verlag: Campus
- „HF-Messtechnik und Kalibrierung“ Autor: Markus Neumann Verlag: Messtechnik Verlag









