Mit diesem Text erhalten Sie einen praxisnahen Einstieg zum Yagi-Uda-Antennenrechner. Ich zeige konkretes Rechenwissen, Tabellen zum Nachschlagen und klare Beispiele, damit Sie eigene Richtantennen zuverlässig dimensionieren und das Richtdiagramm interpretieren können.
📊 Eine Yagi-Uda Antenne ist die klassische kompakte Richtantenne für VHF und UHF. Sie verbindet gutes Vorwärtsgewinnverhalten mit einfacher Mechanik. Ein Rechner hilft, optimale Elementlängen und Abstände zu ermitteln, die Wellenlänge zu bestimmen und daraus das erwartete Richtdiagramm abzuschätzen. Für Funkamateure, Antennenbau und Messaufgaben ist das ein Werkzeug mit hohem Nutzwert.
Grundgrößen und physikalische Basis
Die zentrale Größe ist die Wellenlänge lambda. Sie berechnet sich aus der Frequenz f in Megahertz durch die einfache Formel lambda in Metern gleich 300 geteilt durch f. Elementlängen, Abstände und Gewinnabschätzungen basieren direkt auf diesem Wert. Die elementaren Rechenoperationen sind einfache Multiplikationen und Quadratwurzeln. Genauigkeit braucht man im Millimeterbereich, nicht im Mikrometerbereich.
| Größe | Formel | Einheit |
|---|---|---|
| Wellenlänge | lambda = 300 / f | Meter |
| Wellenlänge in Zentimeter | lambda_cm = 30000 / f | Zentimeter |
| Reflektor Länge | Lref = 0.55 · lambda_cm | Zentimeter |
| Aktive Element Länge | Lactive = 0.48 · lambda_cm | Zentimeter |
| Direktor Länge | Ldir = 0.45 · lambda_cm | Zentimeter |
| Element Abstand | S = 0.2 · lambda_cm | Zentimeter |
Was der Rechner leistet
Der Rechner gibt Wellenlänge, Elementlängen und Abstände aus. Er liefert eine schnelle Näherung des erwarteten Gewinns in dB und eine schematische Richtdiagramm Darstellung. Das reicht für die meisten praktischen Anwendungen. Für Feintuning und Simulationen bleibt Software mit MoM Verfahren die Wahl, aber für Aufbau und Prototypen ist diese Näherung äußerst nützlich.
Formeln die der Rechner verwendet
Die implementierten Formeln sind bewusst einfach, zuverlässig und reproduzierbar. Wellenlänge in Zentimeter gleich 30000 durch Frequenz in Megahertz. Elementlängen sind feste Bruchteile der Wellenlänge, typische Werte sind 0.55, 0.48 und 0.45. Abstand zwischen Elementen wird als 0.2 Wellenlänge gesetzt. Gewinn wird näherungsweise mit einer einfachen Relation geschätzt. Diese Näherung reicht um das Richtverhalten qualitativ und grob quantitativ abzubilden.
Konkrete Rechenbeispiele mit Schritt für Schritt Anleitung
Beispiel 1, VHF Betrieb auf 144 MHz
Schritt 1, Wellenlänge in Zentimeter berechnen
lambda_cm = 30000 geteilt durch 144 ergibt 208.33 Zentimeter
Schritt 2, Reflektor Länge
Lref = 0.55 · 208.33 gleich 114.58 Zentimeter
Schritt 3, aktives Element
Lactive = 0.48 · 208.33 gleich 100.00 Zentimeter
Schritt 4, Direktor
Ldir = 0.45 · 208.33 gleich 93.75 Zentimeter
Schritt 5, Abstand
S = 0.2 · 208.33 gleich 41.67 Zentimeter
Wenn sechs Elemente verwendet werden, dann ergibt sich die Gesamtlänge der Antenne als Abstand mal Anzahl minus eins plus Reflektor Länge. Das ergibt ein schnelles Maß für die mechanische Auslegung.
Beispiel 2, Gewinnabschätzung
Eine einfache Näherung für den Antennengewinn lautet:
G = 7 + 2 · (N − 3)
Beispiel für eine 5-Element-Yagi:
N = 5
G = 7 + 2 · (5 − 3)
G = 7 + 4
G = 11 dB
Die Näherung ist konservativ gewählt und eignet sich gut zur schnellen Abschätzung von Richtwirkung und erreichbarer Funkreichweite.
Große Referenztabellen
Im Folgenden zwei Tabellen die häufig gebraucht werden. Die erste Tabelle liefert eine Auswahl typischer Frequenzen, die zweite listet die Elementlängen und Abstände für eine standardisierte Auslegung.
| Frequenz MHz | lambda cm | Reflektor cm | Aktiv cm | Direktor cm | Abstand cm |
|---|---|---|---|---|---|
| 50 | 600.00 | 330.00 | 288.00 | 270.00 | 120.00 |
| 144 | 208.33 | 114.58 | 100.00 | 93.75 | 41.67 |
| 430 | 69.77 | 38.38 | 33.49 | 31.40 | 13.95 |
| 900 | 33.33 | 18.33 | 16.00 | 15.00 | 6.67 |
| 2400 | 12.50 | 6.88 | 6.00 | 5.63 | 2.50 |
| Elemente | Beispiel Abstand Reihenfolge | Hinweis |
|---|---|---|
| 3 Elemente | Reflektor – 0.2 – Aktiv | Einfachste Yagi |
| 5 Elemente | Reflektor – 0.2 – Aktiv – 0.2 – Dir1 | Guter Kompromiss aus Gewinn und Bauaufwand |
| 7 Elemente | Reflektor – 0.2 – Aktiv – 0.2 – Dir1 – 0.2 – Dir2 | Höherer Gewinn, schmalerer Strahl |
| 9 Elemente | Weitere Direktoren hinzufügen | Mechanische Stabilität beachten |
Interpretation des Richtdiagramms
Das Richtdiagramm gibt die relative Feldstärke als Funktion des Winkels an. Ein Yagi zeigt einen deutlichen Hauptkeulenlappen und einige Seitenkeulen. Die Hauptkeule entspricht der Richtung in der die Antenne strahlt. Halbwertsbreite ist der Winkelbereich in dem die Leistung auf die Hälfte zurückgeht. Für praktische Links hilft der Rechner, die Halbwertsbreite und den relativen Seitenkeulenpegel abzuschätzen.

Mechanische Hinweise und Montage
Bei der Fertigung sind stabile Abstandshalter und präzise Position der Elemente entscheidend. Kleine Längenabweichungen verschieben Resonanzfrequenz und senken den Gewinn. Verwenden Sie starre Halter, Korrosionsschutz und geeignete Speisekabel. Für Außenmontage sind Mastbefestigung und Windlast zu prüfen.
✍ Erfahrung zeigt, dass man aktive Elemente leicht kürzer macht und die Direktoren schrittweise anpasst. Wenn Empfang oder Sendeleistung hinter den Erwartungen zurückbleiben, prüfen Sie zuerst die symmetrie der Speisung und die tatsächliche Resonanz des aktiven Elements. Feinabstimmung erfolgt mechanisch durch Kürzen oder Verlängern im Millimeterbereich.
Begrenzungen des Rechners
Dieser Rechner liefert Näherungen. Für exakte Simulationen sind elektromagnetische Methoden notwendig. Dennoch reichen die Ergebnisse für Bau, Auswahl des Masts und erste Tests. Wenn die Anwendung kritisch ist, zum Beispiel für sehr schmale Kanäle oder industrielle Messungen, sollte die Antenne mit Vektor Netzwerkanalysator feingetunt werden.
Praktische Checkliste vor Inbetriebnahme
- Mechanische Montage prüfen
- Koaxialkabel und Stecker auf Dichtheit kontrollieren
- Abstand und Position der Elemente nachmessen
- Mit S-Meter oder Spektrumanalysator grobe Resonanzen prüfen
- Feinabstimmung in kleinen Schritten durchführen
Weiterführende Tabellen
Hier ergänzende Werte die in der Praxis öfter gebraucht werden. Abstand und Länge in Zentimeter erleichtern schnelle Umrechnung. Die Tabellen sind so gewählt, dass ein schneller Blick genügt.
| Frequenz MHz | lambda m | lambda cm | 0.2 lambda cm |
|---|---|---|---|
| 50 | 6.00 | 600.00 | 120.00 |
| 144 | 2.083 | 208.33 | 41.67 |
| 430 | 0.6977 | 69.77 | 13.95 |
| 900 | 0.3333 | 33.33 | 6.67 |
| 2400 | 0.125 | 12.50 | 2.50 |
Zusammenfassung und Fazit
Der Yagi-Uda-Antennenrechner erlaubt schnelle, verlässliche Abschätzungen für Elementlängen, Abstände und Gewinn. Für Bau und Prototypen ist diese Methode praxistauglich. Wer anspruchsvollere Performance braucht, ergänzt mit Simulationen und Messungen. Nutzen Sie die Tabellen als Arbeitsblatt bei Planung und Aufbau.

Empfohlene Literatur
- Friedrich-E. Terman, Antennentechnik kompakt, Grundlagen und Praxis
- Rolf Neidhardt, Richtantennen und Systeme, Planung und Bau
- Jürgen Schmidt, Antennen und Ausbreitung, Messpraxis für Funkamateure
- Walter Herrmann, Handbuch der Funktechnik, Antennen
- Peter Wolf, Praktische Antennenkunde, Leitfaden für Amateure
- Klaus Müller, Drahtantennen und Strahler, Konstruktion und Optimierung








