Ein Drahtsicherung ist eine einfache, aber wirkungsvolle Form des Überstromschutzes. Dabei wird bewusst ein sehr dünner Leiter eingesetzt, der sich bei zu hohem Strom stark erwärmt und gezielt durchbrennt. Entscheidend ist der Durchmesser des Drahtes, denn er bestimmt direkt, welcher Strom dauerhaft fließen kann und ab welchem Wert die Sicherung auslöst. Mit diesem Rechner für Drahtsicherungen lassen sich diese Zusammenhänge praxisnah abschätzen.
💡 Gerade im Labor, beim Prototypenbau oder in selbstgebauten Netzteilen greifen viele Entwickler auf eine Drahtsicherung zurück. Sie ist schnell verfügbar, günstig und erlaubt eine flexible Anpassung an ungewöhnliche Stromwerte. Wichtig ist jedoch, den Zusammenhang zwischen Material, Drahtstärke und Strombelastung korrekt zu verstehen.
Funktionsprinzip der Drahtsicherungs-Berechnung
Der Rechner arbeitet in zwei Richtungen. Entweder wird ein gewünschter Nennstrom vorgegeben und daraus der passende Drahtdurchmesser ermittelt, oder ein vorhandener Draht wird bewertet, um den maximal zulässigen Strom abzuschätzen. Grundlage ist dabei die Stromdichte, die je nach Werkstoff stark variiert.
👉 Kupfer erlaubt hohe Stromdichten, reagiert aber träge beim Abschmelzen. Aluminium brennt schneller durch, während Zinn wegen seines niedrigen Schmelzpunkts vor allem für kleine Leistungen geeignet ist. Genau diese Unterschiede berücksichtigt der Drahtsicherungs-Rechner.
Zentrale Größen der Berechnung
Für die Auslegung einer Drahtsicherung werden nur wenige physikalische Größen benötigt. Die Stromstärke beschreibt die elektrische Belastung, der Drahtdurchmesser definiert den Querschnitt, und die Stromdichte legt fest, wie stark sich der Leiter erwärmt.
Die Querschnittsfläche des Drahtes ergibt sich aus dem Durchmesser:
$$
S = \frac{\pi \cdot d^2}{4}
$$
Berechnungsformeln
Ist der gewünschte Sicherungsstrom bekannt, wird zuerst der notwendige Querschnitt bestimmt:
$$
S = \frac{I}{J}
$$
Daraus folgt direkt der erforderliche Drahtdurchmesser:
$$
d = \sqrt{\frac{4 \cdot I}{\pi \cdot J}}
$$
Wird umgekehrt ein vorhandener Draht bewertet, ergibt sich der zulässige Strom aus:
$$
I = J \cdot \frac{\pi \cdot d^2}{4}
$$
Typische Stromdichten für Drahtsicherungen
| Material | Stromdichte A/mm² | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Kupfer | 22 bis 38 | robuste Sicherungen mit verzögerter Auslösung |
| Aluminium | 14 bis 26 | schnelles Abschmelzen bei Überstrom |
| Zinn | 6 bis 11 | niedrige Ströme und feine Elektronik |
Beispielrechnung
Angenommen wird ein Sicherungsstrom von 6,5 Ampere. Als Material dient Kupfer mit einer angenommenen Stromdichte von 32 A/mm².
$$
S = \frac{6{,}5}{32} = 0{,}203 \text{ mm}^2
$$
$$
d = \sqrt{\frac{4 \cdot 0{,}203}{\pi}} \approx 0{,}51 \text{ mm}
$$
In der Praxis wäre ein Lackdraht mit 0,5 bis 0,55 mm Durchmesser eine sinnvolle Wahl, abhängig von der gewünschten Auslösecharakteristik.
Tabelle für Ströme und Drahtdurchmesser
Die folgende Übersicht zeigt empfohlene Drahtdurchmesser für selbstgebaute Drahtsicherungen bei mittlerer Stromdichte. Die Werte dienen als Näherung und ersetzen keine Prüfung.
| Strom A | Kupfer mm | Aluminium mm | Zinn mm |
|---|---|---|---|
| 0.15 | 0.07 | 0.09 | 0.15 |
| 0.35 | 0.12 | 0.15 | 0.24 |
| 0.8 | 0.20 | 0.25 | 0.38 |
| 1.6 | 0.30 | 0.37 | 0.55 |
| 3.5 | 0.43 | 0.54 | 0.80 |
| 6.0 | 0.56 | 0.70 | 1.03 |
| 9.0 | 0.69 | 0.86 | 1.27 |
| 14.0 | 0.87 | 1.08 | 1.58 |
Wichtige Hinweise aus der Praxis
Die Berechnung einer Drahtsicherung liefert immer Näherungswerte. Umgebungstemperatur, Kühlung, Einbaulage und die Länge des Drahtes beeinflussen das tatsächliche Auslöseverhalten erheblich. Bei höheren Temperaturen sinkt die zulässige Stromdichte deutlich. Drahtsicherungen sollten frei montiert werden, ohne Kontakt zu brennbaren Materialien. Für Geräte im Dauerbetrieb oder sicherheitsrelevante Anwendungen sind geprüfte Industriesicherungen grundsätzlich vorzuziehen.

Als Lernhilfe, für Versuchsaufbauten oder Reparaturen älterer Geräte ist eine korrekt berechnete Drahtsicherung jedoch weiterhin ein äußerst nützliches Werkzeug.
Weiterführende Fachliteratur
- Elektrotechnik für Praktiker – Grundlagen und Anwendungen
- Bauelemente der Elektronik kompakt erklärt
- Elektrische Schutzmaßnahmen in Niederspannungssystemen
- Praxisbuch Stromversorgung und Netzteile
- Einführung in die Leistungselektronik
- Werkstoffe in der Elektrotechnik








